Angefangen hat das mit dem Kotzen mit 17/ 18. Weiß der Teufel, wie man darauf kommt…Nicht extrem, aber hin und wieder ging kein Weg dran vorbei. An der Schüssel. Du kotzt dich aus bist du leer bist. Vollkommen leer, so willst du fühlen, so sein- leer und kalt. Gefühllos. Atemlos. Weg von Dir.
Na klar, bist jung, fühlst Dich so irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch, bist groß und trotzdem noch klein- pubertäre Vorstellungen treffen auf erwachsene Realität…mag man jetzt sagen. Ich bin heute 37. Ich tu´s immer noch.
Ich war damals nicht dick, fett oder das, was man heute so nennt oder vorschreibt, ne, ich hatte nur Probleme damit, Konflikte anders zu lösen. Ich war ein zweischneidiges Schwert. Eine Borderlinerin- eben eine Grenzgaengerin.
Manifestiert hat sich die Sache, als ich nach einer wirklich großen, gescheiterten Liebe so mit 24, mir nichts dir nichts aus meiner eigenen, ersten kleinen Wohnung zu irgendeinem Typ flüchtete, den ich kaum kannte.
Zu der Zeit war ich, (nach meiner Speditionskauffrau- Aussbildung bei der Rheinkraft/ Thyssen), Filialleiter- Assistentin in der Gauselmann- Spielautomaten- Gruppe Espelkamp. Mit 24. Ich hätt was werden können, gelle? So kam ich mit diesem Typ vom NeanderDorf zur Altstadt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dazu später mehr.
Jaaa…die große Liebe weg, der Job weg, die eigene Wohnung weg. Ich hab´s entschieden. Mehr oder weniger willen- und gedankenlos. Aber die Verantwortung war mir schon klar. Zu der Zeit kannt ich dann auch nur noch eins: Ins Auto setzen und fahren. Bloß „Weit weg“ ( Kennern sagt der Songtitel was, hoff ich…)
Mein Urteil. Dieser Mensch war ein zwanghafter Spieler und krankhafter Neurotiker. Kennst Du den Spruch: „Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“. Der war schlimmer, echt, der hat, wenn er nicht grad spielen war, 8 Stunden in der Spielhalle (wie paradox, gelle), in der ich danach jobbte, gesessen und einfach nur gewartet, dass mich ein Mann auf Wechselgeld anspricht. Drauf gewartet, dass er mich genau dafür später verprügeln kann. Er hat dann hinterher noch viel schlimmere Sachen mit mir vorgehabt und auch durchgezogen- aber dafür ist es jetzt noch zu früh ( zum öffentlichen „aufmachen“ mein ich…)
Ja und so erstickte ich dran. An ihm, an seinem ganzen Trouble, am Essen. Ich dachte: nur so, wenn Du dünner wirst, kriegt irgendjemand da draußen mit, dass es dir nicht gutgeht. Was könnte man sonst so deutlich nach außen tragen wie Gewichtsverlust? Reden???? Worte sind Schall und Rauch…..Mitgekriegt haben es alle, aber die hatten auch ihre eigenen Probleme und dachten nicht im Traum daran, irgendjemandem anderen näher zu sein als sich selbst.
Bei 43 kg wurd ich langsam (körperlich) schwach, mit 40 zog ich saft- und kraftlos zurück zu meiner Mutter. Aber da war ich psychisch schon hoffnungslos mit allem überfordert. Meine Mutter war zu der Zeit Schaustellerin und Marktbeschickerin, also spannte sie mich erst mal so richtig ein. Sie ließ mich fahren. Mit einem VW-LT28 Camping- Monster mit Überdach und Doppel- Achser- Anhänger. Nach Bayern, Donau-Inselfest in Wien oder Fischmarkt in Greetsiel. Sie hatte immer was in petto… Ware einkaufen in Spanien, Wochenende in St. Georg im Schwarzwald, Spielwaren- Messe in Nürnberg.. so und nicht anders wußte sie, mt ihrer psychisch- problematischen Tochter umzugehen, sie unter Kontrolle zu halten. Wie hätte sie es anders wissen sollen- was ist schon ein bißchen abnehmen aus Liebeskummer gegen den Schmerz der Welt. Die Diskrepanz war , dass sie mich damit in meiner Sucht förderte, mich unterstützte, denn:
Es war wirklich eine Höllen- Ackerei und totale Hetze, ein Streß sondergleichens- aber grade die Malocherei und die extrem körperliche Anstrengung tut einer Bulimikerin ja bekanntlich immer gut. So war ich auch bei ihr die Beste…die Fleißigste…die (dünnste…) Und warum wohl?
Ich möchte kurz anmerken, dass meine Schwester adipös ist- also genau wie ich an einer Eßstörung erkrankt ist.
Richtig gefühlt hab ich mich seit der Farce mit diesem Typen nie mehr. Es sei denn ich war betrunken. Und das war ich seitdem oft. Kontrolliert. Unkontrolliert, Aber immer öfter. Hab ich nicht gekotzt, hab ich gesoffen. Hab ich gesoffen, dann war ich so satt, dass ich nix mehr essen konnte, folglich auch nicht mehr kotzen mußte, T.V. Kaiser hätte gesagt: EIN TEUFELSKREIS. Recht hätte er. Gehabt. In meiner Langzeittherapie hab ich später Gott sei Dank auch noch andere (hauptsächlich Frauen) mit ner Doppeldiagnose getroffen- und ich dachte schon, ich allein wäre so komisch…