Niemals, wirklich niemals hätte ich gedacht „da“ mal zu landen. Drauf angewiesen zu sein. Diesen einen Essensausgabe- Tag als Start und Ziel der Woche zu betrachten und alles andere drum herum zu strukturieren. Wie der Titel es schon sagt. „Da“- das ist die Tafel. Die Tafeln in Deutschland. Die Speisung der Menschen, die´s von Hartz allein nicht schaffen. Die Sammlung und Verteilung von abgelaufenen oder kurz davor stehenden Nahrungsmitteln an Bedürftige. Wäre an der Zeit, diesen Begriff neben Professor, Dr. und Ingenieur etc. zu etablieren. Hört sich doch auch mal ganz gut an: ICH bin Bedürftige, und DU?. Alles Auslegeware, Ansichtssache, ne Frage der Definition.
Aber wie sagte irgendjemands Oma noch: Kind-sach niemals nie. So dem.
Du glaubst, Du kannst das nicht? DAS hast Du nicht nötig? Was sollen denn die Leute denken? Abgelaufenes Essen essen, und dann noch mit Kind? Da wo die Brückenbrüder auch immer hingehen, um neben Flüssigem auch einmal in der Woche Festes in den Bauch zu bekommen???? Du glaubst, das kann Dir nie passieren?
Oh, und wie Du kannst. Erst kommt der Hochmut- dann der Fall.
Ich war vorher schon reflektiert genug, um solche Institutionen wie die Tafeln inDeutschland zu achten und als oftmals lebensnotwendig zu betrachten. Meine eigene Kindheit war stets von Geldnöten, oftmals sieben Tagen Nudeln/ Woche und Betteleien um Geld bei den Eltern meiner Klassenkameradin begleitet. Permanente Stromlosigkeit. Kälte. Hunger. Armut. Das alles waren also schon damals keine Fremdworte für mich. Im Nachhinein sollte ich für diese Erfahrungen dankbar sein, haben sie mich doch für den Kampf um Geld und den langen Weg von Monatsanfang bis Monatsende mehr als reichlich sensibilisiert. Mich mißtrauisch gemacht gegenüber Menschen, die auch immer nur mein Bestes wollen.
Vor ca. drei Jahren kam dann ( siehe Beitrag in „Arge(r) Wahn) unsere persönliche Konfrontation mit dem Wahnsinn. Der Absturz. Das erste Mal „Tafel“ werd ich niemals vergessen.Schwarz mit der Tram, weil wir kein Fahrgeld mehr hatten. Die Eiseskälte. Die Scham im Gesicht und das Elend vor Augen.
Wenn wir es besser gewußt hätten, wären wir anderthalb Stunden eher da gewesen. So standen wir hinter unzähligen Menschen mit Tüten, Taschen, Koffern und Trolleys direkt an der Straßenecke. MITTEN auf dem Gehweg, AUF öffentlichem GELÄNDE, für alle einseh- und begutachtbar. Na, wer steht denn wieder bei der Tafel an??????
Wir rafften erst mal gar nicht, was hier los war. Diese Art der Indiskretion kannte ich nicht. Ich kam mir vor wie eine Kleinkriminelle, die aufpassen mußte, dass keiner sie erkennt. Den Blick zum Boden, das Gesicht zur Wand gedreht warteten wir glaub ich über ne Stunde bis wir endlich ins Warme kamen. Gott ich war fix und fertig. Und zutiefst erniedrigt. Man kriegt das schlecht nachvollzogen was man da fühlt, wenn man´s nicht selbst mitgemacht hat.
Vollkommen orientierungslos an die Theke der Tafel und ziemlich erleichtert, dass keiner sonderlich Aufhebens um uns machte. Na klar, für die Angestellten waren wir nur neue Klienten. Mehr nicht. Nix Aufregendes. Wieder ein paar Hartz 4- Opfer mehr. Gut, mit Kleinkind- da setzt die Tafel im Gegensatz zur Arge wesentlich höhere Prioritäten.
Die Arge sieht das Kind als Störfaktor, es steht für Jobablehnung, für faule Mütter, die Sex haben, aber nicht arbeiten wollen oder für andere Sozialabgrasungen und bewilligen dem Kind dementsprechend nur einen Bruchteil an Tagessatz zum Über- Leben. Oder man das Kind nur bekommen hat, um „endlich mal einen richtigen Feldzug gegen Sachbearbeiter der Arge führen zu können. Sie an ihrer eigenen, privaten Geldbörse packen zu können“!!! Herrlich, wie schön persönlich diese Angestellten ihren Job ausüben….Aber Tafel hin, Arge her, man bleibt im Grunde doch Bittsteller. Nur die Art und Weise der Arge, mit Menschen umzugehen, ist eine diffamierend andere.
hi,
beeindruckend dein artikel, deine ehrlichkeit. dein blog gefällt mir. hättest du was dagegen wenn ich dich auf meinem verlinke? kannst ja mal vorbeischauen, auch mein blog handelt vom unrecht, bzw davon dass ich versuche das unrecht zu verstehen.
liebe grüße,
jen